Über die Produktion

Wie würden Sie Ihre Filmfigur beschreiben?
Es handelt sich um einen Vater, der seine Arbeit nutzt, um nicht so oft zu Hause zu sein und seinem behinderten Sohn aus dem Weg zu gehen. Doch allmählich spürt er, dass er die verlorene Zeit aufholen muss, und deshalb lässt er sich auf das Abenteuer ein, gemeinsam mit seinem Sohn am Ironman teilzunehmen. Die Entschlossenheit seines Sohnes und die Ausdauer, mit der er trainiert, spornen auch den Vater an. Obwohl es wahnsinnig schwer ist, weiß meine Filmfigur, dass er keine andere Wahl hat, als mitzumachen. Die Art, wie die beiden einander näher kommen, hat etwas Organisches, Körperliches, und das wirkt letztlich viel stärker, als wenn sie nur miteinander reden würden.

Was hat Sie an der Geschichte berührt?
Dass es der Sport ist, der Vater und Sohn wieder zusammenführt. Ich selbst hatte den Eindruck, dass ich meinem Vater hauptsächlich bei körperlichen Aktivitäten „begegnete“, denn auf Sportplätzen kam ich ihm am nächsten. Der Film hat also auch eine sehr persönliche Bedeutung für mich. Zu entdecken, was es heißt, behindert zu sein, hat mich ebenfalls bewegt. Meine Erfahrungen mit dieser Problematik waren bis dahin gleich Null, und angesichts meiner Ignoranz kam ich mir ziemlich hilflos vor.

Wie haben Sie die sportlichen Aspekte der Rolle bewältigt?
Ich habe sehr viel trainiert, um in technischer Hinsicht überzeugend zu wirken – für den Zuschauer musste es schließlich glaubwürdig aussehen. Obwohl ich von Natur aus eher sportlich bin, trainierte ich mit einem Coach, der mich etappenweise vorbereitete. Dafür musste ich zum Beispiel ein mit Gewichten beschwertes Schlauchboot hinter mir herziehen und auf einem Fahrrad 25 Kilogramm schwere Zementsäcke kilometerweit durch die Gegend fahren. Sich mit hoher Geschwindigkeit von irgendwelchen Bergpässen ins Tal zu stürzen, und das mit Fabien an Bord, war ja nun nicht gerade ungefährlich. Dabei musste ich einerseits vernünftig und sehr aufmerksam sein, denn ich war ja für Fabien verantwortlich, und gleichzeitig absolut unerschrocken, denn der Zuschauer sollte spüren, welche Glücksgefühle Geschwindigkeit erzeugt. Fabien und ich arbeiteten ohne Netz und doppelten Boden, mussten einander vertrauen. Der Film hat uns so sehr beansprucht, und das in jeder Hinsicht, dass wir uns erst hinterher der Risiken bewusst wurden, die wir im Eifer des Gefechts eingegangen waren.

Der Film zeichnet sich durch sehr starke Gefühle aus, die aber gleichzeitig sehr zurückhaltend gezeigt werden.
Was unserem Film sehr geholfen hat, ist die physische Dimension unserer Emotionen: Während des Training, während der Teilnahme an dem Wettbewerb, aber auch in vielen anderen Szenen musste ich Fabien tragen, ihn berühren… Dieses „Ich hab dich lieb“ drückt sich vor allem in Handlungen aus, in der gemeinsamen Anstrengung, in der Energie, die beide in die Vorbereitung stecken. Den richtigen Tonfall zu treffen war schwer, aber indem wir uns darum bemühten, in jeder Sekunde präsent zu sein und uns unseren körperlichen Gefühlen zu stellen, haben wir - glaube ich - die Stärke dieser Gefühle herausarbeiten können. Gleich am ersten Drehtag filmten wir mit sieben Kameras den Start des Ironman, und das inmitten von 2700 Athleten, das war fantastisch! Jedenfalls haben mich diese Menschen, die alles geben, um ihre Grenzen zu überschreiten, wahnsinnig beeindruckt. Es ist ein unbeschreiblich starker Moment zu sehen wie diese Athleten aus dem Wasser steigen, nachdem sie 3,8 Kilometer geschwommen sind. Weil man ja weiß, dass sie anschließend noch kilometerweit Fahrad fahren müssen, und dass dann noch ein Marathon auf sie wartet. Diese Sportler sind wirklich unglaublich: Sie setzen sich ein Ziel, sie bereiten sich vor, sie stürmen los, und dann begegeben sie sich auf eine reichlich mysteriöse, sehr persönliche Suche, die ihnen auf einer mystischen Ebene eine Begegnung mit sich selbst ermöglicht. Nils ist es gelungen, die 16 Stunden, die das Rennen dauert, und die Wucht des Ironman in der letzten Partie des Films sehr geschickt zu komprimieren. Ich finde, es funktioniert auf der Leinwand perfekt: Der Zuschauer leidet und fiebert an der Seite der Figuren mit. Für mich ist das eine der ganz großen Leistungen des Films.

Wie haben Sie die emotionale Nähe zu Fabien Héraud erarbeitet?
Je länger ich in diesem Beruf arbeite, desto mehr gelingt es mir, zu allem bereit zu sein, wenn ich ans Set komme, den Dingen zu vertrauen, die sich spontan ergeben werden, den Augenblick einzufangen. Gerade bei diesem Film war diese Vorgehensweise ausgesprochen wichtig, und so ließen wir uns auf alles Unvorhergesehene und alle Überraschungen ein. Und das um so mehr, weil es sich ja um Fabiens ersten Film handelte. Fabien ist im Übrigen einfach wunderbar. Er hat nicht nur eine Präsenz, die jedes Bild erleuchtet und auf sein Umfeld abstrahlt, er hat auch richtige Schauspielerarbeit geleistet.

Stimmte die Chemie zwischen Alexandra Lamy und Ihnen sofort?
Alexandra und ich haben schnell begriffen, dass wir unterspielen und unsere Beziehung sehr wahrhaftig darstellen mussten. Insofern fanden wir rasch eine gemeinsame Basis, und dann war die Zusammenarbeit sehr, sehr angenehm. Immerhin teilen wir auch die selbe Art von Humor.